Ab in die Beratung und zwar jetzt!

Man hört immer wieder die Beratungsbranche sei auf dem absteigenden Ast und dass spezialisierte Beratungen wie die über IT, Nachhaltigkeit, usw. dafür immer mehr kommen. Man hört auch, dass die Beratungsbranche aus eingebildeten Anzugträgern besteht, die alles besser wissen. Viele denken sicher, dass das etwas ist was man eher meiden sollte. Oder dass es eine Branche ist die über Leichen geht, mit der man nichts zu tun haben möchte. Ich möchte jetzt nicht die Beraterbranche gut reden, aber eine Position rechtfertigen die dir im langfristigen Erfolg helfen könnte.

Viel Lernen, viel gut?

Mein Hauptargument für die kurz- bis mittelfristige Anstellung als BeraterInn, ist die steile Lernkurve. Lernen ist natürlich unabstreitbar wichtig — doch man lernt immer, warum sollte man das nun in der Beratung tun? Was oder wie viel lernt man wirklich in der Beratungsbranche? Wir werden uns zuerst mit der ersten Frage und anschließend mit der zweiten Frage beschäftigen.

Denk an deine zukünftigen Erfolge und tu etwas dafür

Wie könnte man es nun rechtfertigen in der Beratungsbranche zu arbeiten, die einem aus verschiedensten Gründen nicht zusagen könnte? Nun, man bekommt dort ein bestimmtes Skillset an die Hand (oder eher in den Kopf) das absolut fördernd für jegliche Lebenssituationen und berufliche Situationen ist. Das galt schon immer. Vor allem wichtig ist der Bezug auf den aktuellen Shift auf dem Arbeitsmarkt: der klassische Karriereweg, nach der Ausbildung bis zur Rente beim gleichen Arbeitgeber zu arbeiten, ist schon längst Geschichte. Der Trend geht in die andere Richtung und teilweise gibt es Vorhersagen über 33 Jobs die der Durchschnittsdeutsche gehabt haben wird. Auch die Übernahme von vielen Jobs durch Maschinen oder Netzwerk- und Onlineindustrien ist schon voll im Gange und wird sich in einen schwierig vorhersehbares Szenario entwickeln (auch der Weg dorthin wird wahrscheinlich von der Politik stark geprägt sein um Arbeitsplätze zu retten). Kurz gesagt: es wird in der (und deiner) Zukunft von äußerstem Nutzen sein ein Beraterdenken kennengelernt und verinnerlicht zu haben, das unter anderem unternehmerisches, analytisches, problemlösendes Denken beinhaltet.

Ich möchte aber Gutes tun

Natürlich wäre diese Rechtfertigung nichtsnützig, wenn man sagt, dass man in den 1-2 Jahren die man dabei verliert auch besseres hätte tun können, zum Beispiel effektiv unter einer perfekten Unternehmenskultur etwas für einen guten Zweck gearbeitet hätte. Wenn es deine Lebenseinstellung ist mit deinem Beruf Gutes zu erreichen, dann lass mich dir sagen, dass trotzdem eine Effektivität im Praktizieren der Beratung zu sehen ist: sie wird dich deinem Ziel Gutes zu tun näher bringen, genauso wie sie deine grundsätzliche Karriere beeinflussen wird. Um das einzusehen, stell dir die Zeit vor wie eine Investition (ich argumentiere hier ähnlich wie in ??). Du würdest ja auch sicherlich mit einem Bildungsabschluss wie Schule oder Studium nicht seine Effektivität und seinen formenden Charakter auf zukünftige erledigte Arbeiten absprechen? (Ehrlich gesagt bin ich gar nicht so sehr überzeugt vom letzten Satz, aber ich denke er veranschaulicht was ich sagen möchte, nur dass ich wahrscheinlich den Beratungsweg für effektiver halte als ein Studium, wenn man jetzt von den konservativen Strukturen absieht, die zum Beispiel beim Bewerbungsgespräch noch extrem auf Bildungsabschlüsse setzt). Es ist nicht umsonst, dass in vielen Non-Profits der Arbeitsalltag teilweise katastrophal ineffizient abläuft — der gute Wille reicht halt nicht.

Gutes Lernen, Gutes tun.

Nun kommen wir zu dem was man lernen wird. Wie ich gerade, ohne ins Detail zu gehen, schon behauptet habe ist es viel und ist es wichtiges. Vor allem als nicht-BWLer wird man schon allein in der Vorbereitung zu den Bewerbungsgesprächen (in dieser Branche ist es üblich z.B. durch Case Studies eine recht anspruchsvolle Auswahlphase zu haben) eine Menge lernen, zumindest erging es mir so und dabei ging es nur um ein Praktikum.

Essenzielle Skills die man in der Beratung lernt

Zu abstrahieren, oder, das Wesentliche im Blick zu haben.

Häufig verliert man sich in Details, oder sucht die Fehler in den falschen Ecken. Man lernt eine Art Top-Down Herangehensweise die einem hilft nichts zu übersehen. Dieser essenzielle Skill lässt sich so beschreiben: zuerst schaut man sich das gesamte System an, als eine Kollektion von Untersystemen. Im Zusammenhang mit der Problemstellung fängt man jetzt an Vermutungen über verschiedene Teil- oder Untersysteme aufzustellen. Dabei achtet man ständig auf die Bezüge des Untersystems zu der Problemstellung und zu dem Gesamtsystem. Dies hilft auch dabei bessere Lösungen zu finden. Angenommen man möchte die Produktivität oder Effizienz eines Non-Profit erhöhen, dann bringt es nicht wenn man Details ändert, die einem sofort ins Auge springen. Häufig gelingt mit einer strukturierteren Top-Down Herangehensweise (die irgendwann auch intuitiv wird) die Feststellung eines viel bedeutenderen Faktors, mit dem dann eine größeren Effekt erzielen kann. Als ein anderes Beispiel könnte man ein Auto nehmen, das ein komisches Lenkverhalten aufweist. Hier würde es ja wahrscheinlich auch nichts bringen direkt dem Lenkrad die Schuld zu geben.

Intuition für komplexe Zusammenhänge und Zusammenspiele entwickeln.

Gleichzeitig verlangt diese Fähigkeit nach der vorherigen (zu abstahieren) und die vorherige verlangt offensichtlich nach dieser. Um Zusammenspiele verschiedener Systeme zu verstehen, ist es erstmal wichtig die Grundeigenschaften und Funktionsweisen der beteiligten Systeme zu verstehen, also die Zusammenspiele der abstrahierten Systeme. Als Beispiel würde man bei Verkehrsanalysen wohl kaum die Ausstattungen oder den Verschleiß der Bremsen einzelner Autos berücksichtigen, sondern vielmehr jedes Auto als individuelles Objekt, reduziert auf seine Grundfähigkeit. So trivial das klingen mag, so ist es trotzdem ein Problem bei den meisten Menschen: achtet mal drauf! Komplexe Zusammenhänge zu verstehen ist essenziell in jeder Hinsicht und Tätigkeit, das muss ich wohl kaum erläutern. Manchmal reicht es aber auch nur so zu tun, als würde man diese Zusammenhänge verstehen. Das sehen wir jeden Tag in der Politik durch maßlose Simplifizierungen. Allerdings hilft es auch nichts ständig zu sagen, etwas sei zu komplex…

Die richtigen Fragen zu stellen, anstatt auf alles eine direkte Antwort zu haben.

Eine Fähigkeit die wieder die letzten beiden als notwendig voraussetzt. Ein gutes Verständnis (relativ dem Wissen) über eine komplexe Situation führt dazu, dass man gute Hypothesen aufstellen kann. Um diese nun zu verifizieren (sie als wahr zu nehmen ist häufig fatal) muss man nun das Teilsystem über das diese Hypothese etwas aussagt genauer verstehen. Hierbei geht es um weitere enthaltene Untersysteme und um Schnittstellen zwischen diesen. Da es unwahrscheinlich ist, dass man sich perfekt darin auskennt, sollte man nun die wichtigen Fragen dabeihaben um weiterzukommen.

Besseres Grundverständniss für wirtschaftliche Zusammenhänge.

und

Das Kennenlernen vieler Unternehmen die unterschiedlich in unterschiedlichen wirtschaftlichen Kontexten agieren.

Dieser Punkt fällt wohl stark unter: konkrete Erfahrung sammeln. Unsere Art spontane und nicht-spontane Entscheidungen zu fällen wird hauptsächliche durch Erfahrungen geprägt. Man kann sich das vorstellen wie „Pattern Matching“, also dass in einer Situation (unterbewusst) abwägt welche Teilsituationen man davon schon in ähnlichem Maße erlebt hat und wie damals der Outcome war. Wenn man jetzt schon in vielen Unternehmen Beispiele gesehen hat, wie bestimmte Maßnahmen bestimmte Outcomes hatten, dann hilft einem genau das auch für weitere Entscheidungen. Vor allem bekommt man Erfahrungen auf C-Niveau, heißt man berät CEO’s, CFO’s, CIO’s etc. und schärft somit seine unternehmerischen Fähigkeiten. Natürlich lernt man nicht nur Unternehmen kennen, sondern Unternehmen lernen auch dich kennen, also können sich hier auch interessante Jobangebote und -möglichkeiten entwickeln.

Effektive Kommunikation.

Als Mathematiker habe ich den Punkt schon ähnlich erlebt: dort ist es wichtig, dass man sich klar und unmissverständlich ausdrückt. Allerdings mit dem großen Unterschied zur Consultingbranche, dass dort noch mehr Wert auf die Quantität gelegt wird (nicht zum Preis von der Qualität natürlich). Also gleiche Präzision, aber in aller Kürze. Das hängt insbesondere damit zusammen zu erkennen welche Informationen noch relevant sind für das aktuelle Gespräch (s. ersten Skill). Es gibt diesen typischen Beraterjargon, der aber a priori nichts negatives ist, aber gerne zu etwas negativem gemacht wird, da er kalt und präzise ist. Aber das man sagt was man denkt und zwar knapp und präzise, das ist dennoch ein wichtiger Skill den man als Berater lernt. Wie man ihn später einsetzt, ist einem dann selber überlassen.

Lebenslaufbonus

Das ist natürlich nicht nur meine Meinung. Zukünftige Arbeitgeber schätzen so eine Position auf dem Lebenslauf in der Regel aus zwei Gründen: 1) der Vorauswahl die ein Beratungsunternehmen betreibt, also die Implikation, dass du es durch einen strengen Auswahlprozess geschafft hast und 2) die oben genannten Skills, Erfahrungen und Art zu arbeiten und Probleme zu lösen die du dabei gelernt hast. Das kann natürlich ein Argument für dich sein, mich interessiert aber das Gelernte und Verinnerlichte mehr als was jemand von meinem Lebenslauf denkt.

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